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Wie WOLFF & MÜLLER mit seinen Aufgaben wuchs  

Stuttgart, Mitte der 1950er Jahre. Auf einer großen Baustelle am Neckar graben sich gelbe Kolosse aus Stahl in den Boden – teure Erdbaumaschinen der Marke „Caterpillar“ aus Amerika, die man in Deutschland zu der Zeit eher vom Hörensagen kennt. Gekauft hat sie Gottlob Müller. Sein Bauunternehmen hat gerade den bis dahin größten Auftrag der noch jungen Unternehmensgeschichte übernommen: den Ausbau des Stuttgarter Hafens. „Daran beißt er sich die Zähne aus“, munkelt die Konkurrenz. Doch es kommt anders.

Der Sprung in eine neue Größenordnung

Schon bald nach der Firmengründung 1936 gewinnt WOLFF & MÜLLER Industrieunternehmen als Kunden. Doch der Stuttgarter Hafen ist eine neue Dimension: Es geht um immense Erdbewegungen für den Aushub der Wasserstraße, den Bau von Kaimauern, Spundwänden, Lagerhäusern, Silos und Büros. WOLFF & MÜLLER hat den Zuschlag für drei Viertel der Aufträge erhalten und geht mit einer hohen Investition in moderne Baumaschinen ins Risiko.

Und der Plan geht auf: Die Erdarbeiten laufen im Akkord, die Betonarbeiten für die riesigen Kaimauern werden durch fahrbare Stahlschalungen effizient gemacht. Die Stadt Stuttgart bekommt ihren Hafen termingerecht. Er wird im März 1958 feierlich durch Bundespräsident Theodor Heuss eröffnet. Für WOLFF & MÜLLER ist der Stuttgarter Hafen ein Meilenstein: Das Unternehmen hat bewiesen, dass es Großprojekte stemmen kann.

Hoch hinaus

In den folgenden Jahren wächst die Zahl der Niederlassungen und mit ihr die Anzahl und Vielfalt der Aufträge. Für WOLFF & MÜLLER gewinnt der Brückenbau an Bedeutung, insbesondere im Hohenlohekreis. Die Firmenlenker arbeiten eng mit Pionieren des Tragwerkbaus zusammen, zum Beispiel mit Fritz Leonhardt. Er perfektionierte die Stahl- und Spannbetonbauweise und entwickelte mit Willi Baur das Taktschiebeverfahren. Dabei wird der Brückenüberbau abschnittsweise hinter einem Widerlager erstellt und dann Stück für Stück über die Brückenpfeiler in seine endgültige Lage verschoben – eine Bauweise, die besondere Genauigkeit erfordert. Ein Großprojekt, bei dem WOLFF & MÜLLER dieses Verfahren 1977 anwendet, ist die Jagsttalbrücke nahe Crailsheim.

Von Olympia bis unter die Wies'n

Groß denken, um an neue Aufträge zu gelangen – das ist auch in anderen Regionen der Schlüssel zum Erfolg. In München etwa hat WOLFF & MÜLLER für die olympischen Sommerspiele 1972 mehrere Sportstätten mitgebaut: das Olympiastadion, das Radstadion, die Reitanlagen in München-Riem sowie die Basketballhalle – der heutige Audi Dome. Das besondere Bauwerk verfügt über eine freitragende Stahlbeton-Konstruktion mit einem Durchmesser von etwa 57 Metern.

Wenige Jahre später erhält WOLFF & MÜLLER unter der Theresienwiese einen weiteren Großauftrag. Dort, wo jedes Jahr das Oktoberfest stattfindet, plant die Stadt einen über 300 Meter langen U-Bahn-Abschnitt. Das Problem: Das Fest darf nicht ausfallen. Ausgeschrieben ist eine Deckelbauweise – während oben gefeiert wird, soll im Schutz des Deckels der Tunnel ausgehoben werden. Der Leiter der damaligen Niederlassung München wagt einen Sondervorschlag: Obwohl der U-Bahn-Bau für WOLFF & MÜLLER Neuland ist, will er den Tunnel in der Hälfte der ausgeschriebenen Bauzeit in einer günstigeren, offenen Bauweise bauen.

Die Stadt vergibt den Auftrag an WOLFF & MÜLLER. Die Arbeiten beginnen direkt nach der Wies’n 1978, denn die Baugrube muss bis zum Aufbau des Oktoberfestes 1979 wieder geschlossen sein. Als im Februar 1979 der erste Beton fließt, glaubt noch nicht jeder daran, dass der Termin gehalten werden kann. Doch WOLFF & MÜLLER unterbietet den Zeitplan sogar. Das erfolgreiche Projekt öffnet WOLFF & MÜLLER die Tür zu weiteren Aufträgen im Münchner U-Bahn-Bau.

Vom Baugeneralisten zum Lösungspartner

Diese Beispiele stehen für eine ganze Reihe an Großprojekten, die WOLFF & MÜLLER mit der Zeit meistert. In den 80er und 90er Jahren baut das Unternehmen unter anderem an der A7 zwischen Giengen und Heidenheim, am Velodrom in Berlin und am Engelbergtunnel bei Leonberg. Zudem beteiligt sich WOLFF & MÜLLER als eines der ersten Bauunternehmen an öffentlich-privaten Kooperationsmodellen (PPP), etwa beim Klinikum Stuttgart und dem Mineralbad Cannstatt.

Ein Meilenstein in Sachen Baukompetenz bei hochkomplexen Sonderimmobilien ist das 2006 eröffnete Mercedes-Benz Museum im Stuttgarter Neckarpark. Mit seinen doppelt gekrümmten Betonflächen hat es eine außergwöhnliche Gebäudegeometrie in Form einer Doppelhelix. WOLFF & MÜLLER übernimmt als Teil einer Arbeitsgemeinschaft den Rohbau und trägt mit fachkundigen Sondervorschlägen dazu bei, anspruchsvolle Konstruktionsaufgaben zu lösen.

Neues wagen – damals wie heute

Auch heute halten Bauprojekte immer wieder neue Herausforderungen bereit. In Berlin ist innerhalb des historischen Stahlgerüsts des Gasometers auf dem EUREF-Campus ein modernes Bürogebäude entstanden. Vierspurige Autobahnen werden bei laufendem Verkehr erneuert und ausgebaut. Diverse Hochhäuser in der Hauptstadt sind ein sichtbarer Beleg der Kompetenz von WOLFF & MÜLLER im Hoch- und Industriebau. Manchmal betritt das Unternehmen auch bei kleineren Bauwerken Neuland – etwa beim Steg über den Seeblickweg in Stuttgart, errichtet aus Holz und Carbonbeton. Parallel dazu haben sich die Methoden und Instrumente, um Komplexität zu meistern, weiterentwickelt: von einer immer besseren Baulogistik über das digitale Planen und Bauen mit BIM bis hin zu Lean Management auf der Baustelle.

Was unterscheidet all das vom Stuttgarter Hafen? WOLFF & MÜLLER blickt im Vergleich zu damals auf jahrzehntelange Erfahrung im Umgang mit anspruchsvollen Projekten zurück. Was sich aber nicht geändert hat: der Mut und die Begeisterung, neue Aufgaben anzugehen.

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