Warum Bauen bei WOLFF & MÜLLER in einer Familie gleich mehrere Generationen bewegt
Heute trägt ein Polier seine wichtigsten Werkzeuge in der Hosentasche: Tablet und Smartphone ermöglichen Abstimmungen in Echtzeit und unterstützen die Arbeitmit BIM-Modellen oder Lean-Methoden. Vor 70 Jahren war die Baustelle eine andere Welt. Karl Beyer betrat sie mit 20 Jahren. Seine Söhne Peter, Roland und Bernd folgten ihm später ebenso ins Unternehmen wie seine Enkelin Nadine – drei Generationen bei WOLFF & MÜLLER. Karl hatte seine Lehre bei einem anderen Unternehmen gemacht und fing 1954 bei WOLFF & MÜLLER in Künzelsau als Maurer an. Baustellen gab es nach dem Krieg überall – und dort zählten Engagement und Muskelkraft. Das meiste geschah von Hand. Karl Beyer, der inzwischen verstorben ist, blieb 42 Jahre bei WOLFF & MÜLLER, arbeitete sich zum Polier hoch und erlebte, wie aus reinem Handwerk modernes Bauen wurde.
Lehrjahre der neuen Generation
Dann kam eine neue Generation. 1970 nahm Karl Beyer seinen vierzehnjährigen Sohn Peter zum ersten Mal als Praktikant mit auf die Baustelle der Sparkasse Künzelsau. Sein Vater hatte ihm gesagt: „Rumsitze brauchsch net. Du kannst ruhig was schaffe.“ Ein Jahr später begann Peter seine Maurerlehre. Seine erste Baustelle: wieder die Sparkasse Künzelsau. Jeden Morgen fuhr Peter mit seinem Vater im Betriebsbus hin. Pünktlich um sieben ging die Arbeit los. Wie sein Vater vor ihm – und seine beiden jüngeren Brüder Roland und Bernd nach ihm – bildete sich Peter zum Polier fort. Roland stellte 2019 fest: „Man kann wohl sagen, dass uns allen der Polierjob in die Wiege gelegt wurde.“ Nach bestandener Prüfung im Jahr 1982 kam ein Moment, an den sich Peter bis heute lebhaft erinnert. WOLFF & MÜLLER Gründer Gottlob Müller klopfte ihm auf die Schulter und sagte: „Ha jo, aus Hohenlohe kommet die beschte Poliere.“
Echte Papierarbeit
Die 1970er Jahre veränderten vieles für die gewerblichen Mitarbeiter. Elektrowerkzeuge wie Bohrhämmer und Winkelschleifer hielten Einzug auf den Baustellen. Das Bauen wurde effizienter und technischer, aber nicht einfacher. Wer Baustellen in den 1970er und 1980er Jahren verstehen will, muss den Arbeitsalltag des Poliers kennen. Telefone gab es kaum – Lehrlinge hielten Telefonzellen in Baustellennähe besetzt. Blaupausen rollte man aus, beschwerte sie mit Steinen. Zahlen wurden mit dem Taschenrechner gerechnet. Abstimmungen liefen per Brief. Eine von Peters ersten Aufgaben bei WOLFF & MÜLLER war es, sich um die Post zu kümmern. Im Bauwagen schaute er die Korrespondenz durch, setzte Schreiben auf und brachte sie zur Post – echte Papierarbeit. Auch die Sicherheit war damals in der Baubranche noch anders. Anfangs zog Peter für die Arbeit einfach die „alde Schlappâ“ an. Sicherheitsschuhe wurden erst später Pflicht. Gleich an einem seiner ersten Tage lernte Peter, warum: Er trat in einen Nagel und musste fünf Tage daheimbleiben. Es war die einzige Woche, die er in seinem Arbeitsleben krank war.

Im Wandel
Weniger Technik hieß viel Muskelkraft – und mehr Leute auf der Baustelle. Auch der Umgang war anders. Peter erinnert sich, dass Anfang der 1970er Jahre auf den Baustellen gebrauchte Nägel eingesammelt und an Arbeiter weitergereicht wurden. Und dann folgte unweigerlich der Satz, der die schwäbische Bodenständigkeit des von Gottlob Müllers geführten Unternehmens ausdrückte: „Die klopfst du jetzt gerade. Die kann man noch verwenden.“ Die 1990er Jahre brachten dann für das gesamte Unternehmen einen Umschwung. Deutschland wuchs zusammen und WOLFF & MÜLLER übernahm Aufträge in den neuen Bundesländern. Das Unternehmen vergrößerte sein Tätigkeitsfeld. Zugleich wandelte sich die Technik: Computer, Faxgeräte und erste Mobiltelefone waren im Einsatz.
Bereit für Neues
Um 2010 änderte sich die Arbeit auf der Baustelle dann grundlegend: Laptops und Tablets hielten Einzug in den Arbeitsalltag. E-Mails ersetzten den Briefverkehr, Smartphones halfen mit Apps. Für Mitarbeiter wie Peter, damals Mitte fünfzig, war das eine große Umstellung. Doch er blieb neugierig und nutzte 2013 die Fortbildungsangebote in der Stuttgarter Hauptverwaltung. Und er gab sein Wissen weiter: Im Berufsschulzentrum Schwäbisch Hall nahm Peter ab 2005 selbst Maurerprüfungen ab.
Ein Großprojekt zum Schluss
Am Ende seines Berufslebens wartete noch ein Großprojekt: Ab 2013 verantwortete Peter bis 2019 als Polier den Bau des Rosensteintunnels. Sein Fazit: „Das war eine der interessantesten Tätigkeiten meiner gesamten Karriere – voller technologischer Herausforderungen.“ Im Juni 2023 ging er nach 52 Jahren bei WOLFF & MÜLLER in Rente. Warum er so lange blieb? „Bei mir in der Familie ist die Begeisterung für WOLFF & MÜLLE erblich. Mehr als ein halbes Jahrhundert und es war nie langweilig. Ich bin jeden Tag gerne aufgestanden und zur Arbeit gegangen.“

Bauen steckt in den Genen
Die Leidenschaft fürs Bauen hat auch Peters Tochter Nadine Stiefel angesteckt. „Wenn Vater, Großvater und beide Onkel bei WOLFF & MÜLLER arbeiten, dann wird zu Hause natürlich viel übers Bauen gesprochen“, sagt sie. Inzwischen ist sie bereits seit 20 Jahren bei WOLFF & MÜLLER, genau wie ihr Mann Hagen Stiefel, der als Oberbauleiter im Unternehmen tätig ist. 2006 begann sie ihre Ausbildung zur Industriekauffrau in Waldenburg. Später arbeitete sie im Einkauf, wurde Projekteinkäuferin. Heute ist sie im technischen Controlling. An den Rat ihres Vaters zum ersten Arbeitstag erinnert sie sich noch genau: „Sei selbstbewusst und trau dich was.“
Was Nadine an WOLFF & MÜLLER so schätzt, ist die besondere Atmosphäre in dem Familienunternehmen. So wandert die Niederlassung Künzelsau jedes Jahr im Herbst – auf der Schwäbischen Alb, im Allgäu, einmal sogar am Achensee in Österreich. Nadine war immer dabei – sogar hochschwanger. Und auch ihre beiden Söhne zeigen, dass sie das Bau-Gen geerbt haben. Während es für den Dreijährigen nichts Schöneres gibt, als Baustelle zu spielen, hat der Siebenjährige bereits einen konkreten Plan: „Ich arbeite später auch auf der Baustelle. Ich bin dann der Baggerfahrer und der Papa ist mein Chef.“
Was bleibt
Was hat sich in den vergangenen 70 Jahren verändert? Vieles. Vor allem die Werkzeuge. Reine Muskelkraft ist modernen Werkzeugen und Methoden gewichen. Handy, Tablet, BIM, Lean und Co machen das Bauen nicht nur effizienter, sondern auch nachhaltiger. Doch geblieben ist die Begeisterung fürs Bauen. Die macht WOLFF & MÜLLER seit 90 Jahren stark und bereit für die Zukunft.
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