Blick in die Vergangenheit: Vom „Häusle für den kleinen Mann“ zum Seriellen Bauen
Als das erste WOLFF & MÜLLER Musterhaus im Juli 1964 errichtet wurde, war es ein heißer Sommertag: Im Körschtal bei Denkendorf – rund 15 Kilometer südöstlich von Stuttgart – wurden 34 Grad Celsius gemessen. Am Geburtsort des Unternehmensgründers Gottlob Müller war WOLFF & MÜLLER bereits damals vertreten, unter anderem mit den Holzwerken Denkendorf. Entworfen hat das Musterhaus der spätere Rektor der Hochschule für Technik Stuttgart, Ludwig Hilmar Kresse.
Der Auftrag an den renommierten Architekten zeigt: Gottlob Müller dachte groß und verfolgte mit der Vorfertigung ein klares Ziel: „Ein Häusle für den kleinen Mann“ wollte der Unternehmensgründer schaffen und lebte seine Überzeugung vor. „Ich wohne selber in einem Fertighaus“, erklärte er Jahre später in einem Interview. „Das ist genauso gut wie jedes andere. Nein – es ist sparsamer, in allem. Ich brauche heute mindestens 30 Prozent weniger an Öl als in meinem alten Haus, das mit Backsteinen gemauert war.“
Denkendorf – das Herz der Fertighäuser
Das Herz der WOLFF & MÜLLER Fertighausproduktion schlug in Denkendorf. Wer das 1964 gegründete Werk betrat, bemerkte ihn sofort: den Geruch von frischem Holz. Schon damals war Qualität das oberste Gebot. Gegenüber dem Fachmagazin „Bauen und Fertighaus“ betonte Gottlob Müller 1984: „Wir waren die ersten, die eine ‚Fertighaus-Straße', eine Leimstraße, eingerichtet hatten. Bei uns wird heute noch alles, was zum konstruktiven Bereich gehört, geleimt, wo andere nur nageln. Bei der Qualität dürfen keine Abstriche geduldet werden.“
Ein erfolgreicher Start
Als die Fertighausproduktion 1964 startete, war sie zunächst noch Teil des Bauunternehmens. Dann ging es Schlag auf Schlag: WOLFF & MÜLLER entwickelte mehrere Haustypen und baute ein Vertriebsnetz mit Musterhäusern auf. 1967 gründete die Unternehmensleitung dann die WOLFF & MÜLLER Hausbau GmbH als eigenständige Gesellschaft. Bereits 1968 war diese Branchenführer im Segment des gehobenen Fertighausstandards im süddeutschen Raum.

Zwei Ideen für den Durchbruch
Ein Grund für den Erfolg war, dass WOLFF & MÜLLER nicht bloß Fertighäuser verkaufte. Das Unternehmen realisierte für Kunden den Traum vom eigenen Zuhause. Vertrauen und Qualität waren entscheidend. Vor allem aber waren es die Menschen, die hinter den Fertighäusern standen und sich mit Herzblut engagierten. Einer von ihnen war Claus Häppeler. Als Organisationsleiter im Vertrieb verkörperte er diese Hingabe wie kaum ein anderer und beriet Kunden auch schon mal bis morgens um fünf Uhr.
Das große Engagement und neue Ideen sorgten dafür, dass die Fertighausproduktion immer erfolgreicher wurde. 1972 setzte Gerhard Frisch einen neuen Meilenstein. Der Geschäftsführer der Hausbau GmbH gewann die Leonberger Bausparkasse als Partner. Das Ergebnis: 800 Außendienstmitarbeiter der Bausparkasse warben für WOLFF & MÜLLER Fertighäuser. 1973 folgte der nächste Coup: Gemeinsam entwickelten die Partner ein zweites Fertighausmodell: Das Bausparer-Fertighaus bot vier Grundtypen von 90 bis 207 Quadratmetern und mit 700 bis 800 D-Mark pro Quadratmeter niedrigere Preise als klassische Fertighäuser mit 1.000 D-Mark. Ab der ersten Hälfte der 1970er Jahre baute WOLFF & MÜLLER Hausbau auch Kindergärten – aus Holz gefertigt und in modernem Design.
Stütze der WOLFF & MÜLLER-Gruppe
Die Rechnung ging auf: 1974 stieg der Jahresumsatz der Hausbau GmbH auf mehr als 80 Millionen D-Mark – ein Plus von 50 Prozent, während die Branche um mehr als 34 Prozent einbrach. 1976 erreichte das Fertighausgeschäft dann seinen Höhepunkt unter Wolfgang Dürr, der die Geschäftsführung der Denkendorfer Betriebe von Erwin Lang übernommen hatte: Die Hausbau GmbH trug damals rund ein Drittel zum Umsatz der Unternehmensgruppe bei. WOLFF & MÜLLER war zum drittgrößten deutschen Fertighaushersteller aufgestiegen.
Aus dem Schwabenland in die Welt
Als Ende 1988 ein verheerendes Erdbeben den Norden Armeniens erschütterte und hunderttausende Menschen ihr Zuhause verloren, wurden Holzfertighäuser aus Denkendorf Teil des Wiederaufbaus. Das war möglich, weil WOLFF & MÜLLER Anfang der 1980er Jahre seine Produktionskapazität auf 800 Häuser pro Jahr ausgeweitet hatte. Ab 1984 ergänzte Wolfgang Dürr das Programm um eine weitere Säule: Kunden konnten nun wählen zwischen Fertighaus und konventionellem „Stein-auf-Stein-Haus“ – zum gleichen Preis.

Strategischer Neustart: das Serielle Bauen
Als das Geschäftsmodell infolge der Baukrise in den 1990er Jahren wirtschaftlich nicht mehr trug, musste WOLFF & MÜLLER die Fertighausproduktion einstellen – doch der Glaube an die Industrialisierung des Bauens blieb. Denn Vorfertigung ermöglicht hohe Qualität, Planungssicherheit, Zeitersparnis und oft auch mehr Nachhaltigkeit als konventionelles Bauen.
Dass WOLFF & MÜLLER heute im Bereich Vorfertigung wieder eine starke Position hat, liegt an einer strategischen Weichenstellung. Die Unternehmensgruppe beteiligt sich an aktivhaus und MOD21 und kooperiert auch mit anderen Firmen wie Rhomberg. Aus der ehemaligen Niederlassung Hotelbau entstand im Dezember 2015 die Zweigniederlassung Modulares Wohnen. Im April 2024 folgte die Weiterentwicklung zur Zweigniederlassung Serielles Bauen, die heute der Niederlassung Stuttgart zugeordnet ist. Die rund 32 Spezialisten dort arbeiten an Antworten auf die großen gesellschaftlichen Fragen – beispielsweise die 1,4 Millionen fehlenden Wohnungen in den deutschen Städten. Das Serielle Bauen bei WOLFF & MÜLLER umfasst den Modulbau, den Elementbau und die TGA-Vorfertigung – damit deckt es alle Bereiche der industriellen Fertigung ab.
Fix und fertig
Und die Projekte sprechen für sich: Gemeinsam mit aktivhaus wurde in Stuttgart-Bad Cannstatt ein ganzes Wohnquartier in Modulbauweise gebaut. In Stuttgart-Zuffenhausen entstand bis September 2025 die Porsche-Kita für 80 Mitarbeiterkinder – in nur zwölf Monaten. Die Holz-Systembauteile hatten eine Vorfertigungsquote von 85 Prozent. In Mannheim errichtet WOLFF & MÜLLER derzeit mit den aktivhaus und MOD21 ein Mischgebäude am DHBW-Campus: 193 Studierendenwohnungen in Holzmodulbauweise über einer ALDI-SÜD-Filiale, zertifiziert nach DGNB Gold. Das Besondere ist der lückenlose Datenprozess. Mithilfe standardisierter Schnittstellen kann WOLFF & MÜLLER die BIM-Planungsmodelle direkt in die Fertigungssoftware von MOD21 überführen. Auf dieser digitalen Grundlage entstehen dann die Holzmodule passgenau und in höchster Qualität.
60 Jahre nach jenem heißen Julitag 1964 im Körschtal lebt die Idee der Vorfertigung bei WOLFF & MÜLLER in neuem Gewand weiter. Das Ziel ist das Gleiche geblieben: hochwertige Gebäude schnell, bezahlbar und planungssicher zu bauen. Nicht mehr für einzelne Familien, sondern im großen Stil. Aber immer fix und fertig für die Zukunft.
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